Anna
Gschwend
Sopran



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Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süssen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.

Sie war doch sonst ein wildes Blut,
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiss nicht, was beginnen.

Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süssen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
- Theodor Storm, "Die Nachtigall"

Dieses wunderschöne Gedicht von Theodor Storm zeigt, wie mit wenigen Worten eine tiefe emotionale Stimmung entstehen kann. Die Sensibilität der Poesie gepaart mit Musik ist das Fundament der Liedkunst. Um dies authentisch darstellen zu können, braucht es einen intimen Rahmen, in dem der/die Zuhörer/-in nahe am Geschehen ist. So kann das Lied mit einer Natürlichkeit interpretiert werden, die ein grösseres Umfeld fast nicht ermöglicht. Die Besetzung (Klavier und Stimme) ist auf das Mindeste reduziert, was für mich eine der schönsten Kombinationen ist, da der Fokus so wirklich auf die Sprache und das Wort gerichtet ist und die enge Verknüpfung von Musik und Text durch die schlichte Instrumentierung sehr klar und durchsichtig ist. In einem familiären Rahmen kann die Intimität eines Liedes erst richtig wachsen und erblühen. Ausserdem erhoffe ich mir daraus, dass das distanzierte Verhältnis zwischen Interpret/-in und Publikum, das heutzutage leider oft durch imaginäre Grenzen geschaffen wird, durch den persönlichen Kontakt und die Nähe minimiert wird. Das Publikum wird so schliesslich zu einem Teil des Geschehens und kann in die zahlreichen Emotionen der Liedkunst eintauchen.


BIOGRAFIE:

Anna Gschwend erhielt ab ihrem dritten Lebensjahr Violinunterricht, wenige Jahre darauf wurde die Viola ein wichtiges zusätzliches Instrument. Schon früh sang sie in einem Kinder- und Jugendchor, und später im Festspielchor der Werdenberger Schlossfestspiele. Im Sommer 2010 debütierte sie als Barbarina in der Oper Figaros Hochzeit, im Jahr 2012 interpretierte sie die Nanette in der Oper Der Wildschütz bei den Werdenberger Schlossfestspielen. Im Juni 2013 war Anna Gschwend in einer Opernproduktion der ZHdK als Elisabeth in der neu komponierten Oper Heinrich Treibhäuser zu hören und im Januar 2015 erhielt sie die Gelegenheit, die Rolle des Don Ettore in der Oper La Canterina von J. Haydn mit dem bekannten Barockensemble La Petite Bande unter der Leitung von Sigiswald Kuijken in Belgien zu singen. Anna Gschwend studierte klassischen Gesang und Viola bei Prof. Lina Maria Åkerlund und Wendy Enderle-Champney an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), wo sie anfangs Juni 2015 den Master of Arts in Musikpädagogik mit beiden Hauptfächern mit Auszeichnung abschloss. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Konzert- und Liedgesang und in den letzten Jahren entdeckte sie eine grosse Leidenschaft für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Sie sang u.a. im Rahmen der Musikwochen Braunwald, Musikfestwochen Meiringen, Winterthurer Museumskonzerte und Solothurn Classics. Sie ist Preisträgerin von zahlreichen Wettbewerben (z.B. Wettbewerb für Zeitgenössische Musik der ZHdK). Meisterkurse bei Lina Maria Åkerlund, Margreet Honig, Sigiswald Kuijken, Dorothee Labusch, Yvonne Naef und Ulrike Sych bereicherten ihre Ausbildung.